Evangelisch-lutherische
Kirchspiele Buttelstedt und Neumark

„Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“
Apostelgeschichte 5, 29 (L=E)

Atemlose Stille herrscht, als Hermann Diem am 10. Juli 1938 die Kanzel der Ebersbacher Veitskirche betritt. Der Organist, ein Mitglied der NSDAP, klappt sein Choralbuch zu und verlässt das Gotteshaus. Ein Kirchenvorsteher folgt ihm. ‚Befiehl du deine Wege‘ stimmt die Gemeinde nun an– ohne Orgelbegleitung.


In der letzten Reihe sitzt ein Landjäger [Ordnungspolizist] und beobachtet still das Geschehen. Würde er den renitenten Pfarrer verhaften? Der Gottesdienst verläuft ruhig, am Ende verlässt Diem unbehelligt die Kirche, die er nach dem Willen der Obrigkeit gar nicht hätte betreten dürfen.


Vorausgegangen war ein wochenlanger interner Streit. Die Landeskirche hatte angeordnet, alle württembergischen Pfarrer sollten einen Diensteid auf Hitler leisten. Zusammen mit 80 weiteren Pfarrern verweigerte Diem den Eid, worauf Landesbischof Wurm ihn vom Dienst suspendierte. Auch der Kirchengemeinderat, darunter NS-Sympathisanten, versagte dem Pfarrer die Unterstützung.
Es war nicht die erste Auseinandersetzung zwischen Diem und seinem Landesbischof: Im März des[selben] Jahres hatte Theophil Wurm alle Gemeinden im Land angewiesen, den ‚Anschluss‘ Österreichs als ‚Gottes Fügung‘ mit einem einstündigen Glockengeläut zu begrüßen. Diem weigerte sich– und beschwor damit den ersten größeren Konflikt mit der örtlichen SA herauf.“ (Marcus Zecha [Hrsg.], Hermann Diem, Kompromissloser Streiter für eine lebendige Kirche, in ders./Karl-Heinz Rueß, Mutige Christen im NS-Staat, Göppingen 2002)


Solche Menschen kann man nur bewundern!
Welche Charakterstärke muss ein Mensch besitzen, dass er sich– und das unter Einsatz seiner Freiheit und seines Lebens!– als Einzelner gegen ein ganzes Unrechtsregime und seine Unterstützer stemmte!? Oder war es Leichtsinn? Wie viele haben sich dem Machtanspruch der Nationalsozialisten gebeugt nicht nur aus Angst um das eigene Leben, sondern um der Familie und der Freunde willen, die man nicht gefährden wollte.


Wer den Mut aufbrachte, sich zu wehren, den Gehorsam zu verweigern, der tat dies nicht aus Leichtsinn oder aus persönlicher Geltungssucht, sondern weil er das Wort aus Apostelgeschichte 5,29 ernst genommen hatte: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ Und das mutige Handeln Hermann Diems war kein Einzelfall.



Auf den ersten Blick denken wir: Das waren damals auch andere Zeiten. Heute gibt es vergleichbare Situationen nicht mehr. Wir leben in Freiheit und Frieden – und im Schutz demokratischer Rechte. Ziviler Ungehorsam ist heute nicht mehr nötig. Oder doch? Bei aller Freiheit, in der wir leben dürfen, ist es ohne Zweifel nötiger denn je, zwischen Menschenwillen und Gotteswillen zu unterscheiden. Wenn wir aufmerksam sind in unseren beruflichen Zusammenhängen, in der Familie, im öffentlichen Leben – beobachten wir leicht, wo andere Menschen unterdrückt oder mundtot gemacht werden. Wo hierarchisches Denken und Handeln Vertrauen zerstört. Wo Menschen im Interesse ihres eigenen Egos handeln, anstatt nach Gottes Willen zu fragen. Wo Ungerechtigkeiten unübersehbar sind.



Immer da wo Unrecht geschieht, steht jeder und jede Einzelne vor der Entscheidung: Schweigen oder Aufstehen. Mitten in die Sekunde der Überlegung unserer Seele hinein, lege sich dieses biblische Wort: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ Überall da wo Widerstand und ein klares Wort vonnöten sind, braucht es Menschen, die nach diesem Glaubensgrundsatz leben. Heute mehr denn je. Denn der Menschenwille tut sich heutzutage so laut kund, dass der Gotteswille kaum noch zu hören ist. Auch wenn es Mut erfordert: Es ist gut, wenn wir diesem Gotteswillen wieder Gehör verschaffen – durch unsere Worte, durch aktives Zuhören, durch wertschätzende Kommunikationsräume und durch unser Verhalten.


Herzliche Grüße Pfarrerin Denise Scheel

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