Evangelisch-lutherische
Kirchspiele Buttelstedt und Neumark

„Christus ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.“

Singen von dem, was trägt. Jeden Abend um 18 Uhr standen sie auf den Balkonen und sangen „Bella ciao“. Das Lied der italienischen Partisanen aus dem Zweiten Weltkrieg soll in dieser schwierigen Zeit Trost spenden gegen einen unsichtbaren Feind. Vor einem Jahr machte von Italien aus dieses Ritual die Runde durch Europa: Das gemeinsame Singen und Musizieren verbindet, stärkt gegen die unheimliche Krankheit, das jähe Leiden und das Regiment des Todes. Mit „Zusammenstehen“ veröffentlicht der Musiker Sebel ein Lied, das schnell zum Youtube-Hit wird. Er verbindet damit den Aufruf, seinen Song selbst einzusingen, damit sich die Botschaft verbreitet. In der Krise entstehen so manche Sätze, die kreativ zum Durchhalten auffordern und schon einen Blick auf die Zeit danach werfen.
„Glaubt mir, es gibt ein Hinterher.“ So Philipp Dittberner (Bleib für andere zu Hause), Die Ärzte (Ein Lied für Jetzt), Sarah Conner (Sind wir bereit?), Silbermond (Machen wir das Beste draus), Max Giesinger (Nie stärker als jetzt: Lass die Ängste besiegen) ...
Unterschiedliche Musikstile und Musikergenerationen sind verbunden durch ihr Anliegen: Verständnis wecken, Angst benennen, Trost und Verbundenheit schenken. Radiosender und Spotify stellen Corona-Sound-Listen zusammen mit bekannten Liedern, die sich schon in anderen Krisen als Tröster bewährt haben. Bekannte Texte und Melodien aufnehmen, damit die Botschaft behalten und neu gehört wird, zu Herzen geht, das ist eine bewährte Weise. So bekommt auch die erste Generation der Christinnen und Christen in Kolossä und Umgebung in ihrer Krise einen Brief, in dem ein ihnen vertrautes Lied zitiert wird. Epaphras, ein von dort stammender Mitarbeiter des Paulus, hat die Botschaft von Tod und Auferstehung Jesu Christi in ihre Häuser gebracht. Männer und Frauen, Herren, und Sklaven teilen den neuen Glauben und ihr Leben. Ihr Miteinander ist geprägt von Glaube, Liebe und Hoffnung. Sie sind vereint in der Überzeugung, dass Jesus Christus ihr gemeinsamer Herr ist und dass sie immer mehr verstehen wollen, was sein Wille ist, um nach diesem in ihrem Alltag zu leben. Wer die ersten Zeilen des Briefes liest, spürt: In den Gemeinden dieser Gegend gibt es viel Anlass zur Dankbarkeit. Doch auch Glaubenskrisen gehören damals schon dazu. Deshalb bekommen sie Post, damit sie gestärkt werden und Ermutigung erfahren. Sie sollen verstehen, woran sie sich festhalten können, um durchzuhalten. Was liegt da näher als sie an ein Lied zu erinnern, dessen Zeilen aufzunehmen: „Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.“ So beginnt dieser Hymnus. Das Lied führt noch vor die Osterereignisse zurück, denn von der Auferstehung aus betrachtet werden die Gedanken der Weisheit über die Schöpfung auf Jesus Christus gedeutet. In wenigen Begriffen wird die Schöpfungsgeschichte aufgeblättert. In anderen Worten: Wenn ihr nach Gott sucht und ihn sehen wollt, schaut auf Jesus Christus. Er ist sein einmaliges Ebenbild und der, der von Anfang an eine einzigartige Beziehung zum Schöpfer hat. Der Christus-Hymnus ist ein Lied über den, der durch sein Leiden und seinen Tod dem Leiden und dem Tod allen Schrecken nimmt. Leider sind der ganze Text und die Melodie dieses alten Hymnus unbekannt. Aber die Heraus-forderung bleibt: Welche Lieder schenken uns heute Trost und Hoffnung? In dir ist Freude in allem Leide, o du süßer Jesu Christ. Durch dich wir haben himmlische Gaben, du der wahre Heiland bist... Wer dir vertrauet, hat wohl gebauet, wird ewig bleiben. Halleluja! Im Evangelischen Gesangbuch Nr. 398. Stimmen Sie mit ein!
Es kommt die Zeit, da singen wir in den Kirchen wieder gemeinsam! Das ist gewiss!


Herzliche Grüße Pfarrerin Denise Scheel

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